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   Die Chronik unseres Hauses

 
Gasthaus Engel 1930
 
HAUS- und FAMILIENCHRONIK des GASTHOF ENGEL zu BUCH.


Tradition ist nichts, was einer lernen kann,
ist nicht ein Faden, den einer aufnehmen kann, wenn es ihm gefällt,
so wenig wie es möglich ist, sich die eigenen Ahnen auszusuchen.
(Ludwig Wittgenstein)



Die Vorfahren unserer Familie lassen sich bis ins Jahr 1580 zurückverfolgen. Damals wurde der Bauer Martin Vogelbacher in Strittberg geboren. Er verheiratete sich am 26.02.1607 mit Magdalena Götz geb. um 1584 in Höchenschwand.

Der 30-Jährige Krieg war beendet. Der Friede in Münster und Osnabrück 1648 ausgehandelt. Die Überlebenden schöpften neue Hoffnung. Fast 40 Jahre nach diesem Friedensschluss baute Fridli Meyer und seine Frau Christine geb. Schlachter Anno Domini 1684 das Haus Nr. 12 in Ausserbuch, das den Grundstock bildet zu unserem heutigen "GASTHOF ENGEL".

Bis es soweit war, ging das im Jahre 1685 fertiggestellte Haus durch viele Hände und geschichtliche Ereignisse. In dieser Zeit (1648) war Waldshut Sitz der Vorderöstereichischen Regierung. Freiburg war im Frieden von Nymwegen an Frankreich abgetreten worden. 1679-1697. Im Jahre 1709 heiratete ein Nachkomme von Martin Vogelbacher, nämlich Konrad Vogelbacher, geb. am 5.12. 1683 in Remetschwil, nach Buch und zwar die in Buch lebende Anna Eckert geb. am 16.07.1683.

Die Eheleute Johannes Meyer und Barbara geb. Pfeiffer bauten das Haus im Jahre 1751-1752 um. Es war die Zeit, in der die SALPETERER gegen die reichsfürstliche Abtei St. Blasien aufstanden, um für sich und ihre Landsleute mehr Freiheit zu erkämpfen. Am 13. November 1751 wurden 19 Unruhige im Beisein der Einungsmeister in Waldshut verhört, um sich ein Bild über die Lage auf dem Wald zu machen.

Baden
Im Jahre 1805 kam das Gebiet am Oberrhein zum Großherzogtum Baden.

Die politischen und sozialen Verhältnisse wurden dadurch nicht besser. Als im Jahre 1835 die erste Eisenbahn auf der Strecke von Nürnberg bis Fürth in stündlicher Zugfolge den Betrieb aufnahm, erschien für das Haus Nr. 12 zum ersten Mal der Name: "WIRTSHAUS ZUM ENGEL".

Der neue Besitzer, Johann Winkler, Bürger und Landwirt von Buch, damals 30 jährig, verheiratet mit Maria, geb. Schäfer, beantragte im Mai des Jahres 1831 die Genehmigung einer uneingeschränkten Buschwirtschaft. Im Juli wird das Gesuch des Johann Winkler abgelehnt mit der Begründung, dass eine eigene Wirtschaft in Buch nicht notwendig sei und der Bittsteller sich wieder melden solle, falls eine der benachbarten Wirtschaften eingehe. Eine zu grosse Bequemlichkeit für die Leute ins Wirtshaus gehen zu können, sage der Moralität und dem häuslichen Sinn keineswegs zu.

In der Vogtei Buch sei ja das nahegelegene Buschwirtshaus, das von der Witwe des Johann Ebner umgetrieben wird und im Kirchsprengel Birndorf, wozu Buch zählt, befinde sich das sehr schöne Tafernwirtshaus, dann eine Buschwirtschaft in Birkingen und in nicht weiter Entfernung lägen die Wirtshäuser zu Unteralpfen, Tiefenstein, Albbruck und Kiesenbach. Nachdem zunächst auch die Berufung des Johann Winkler abschlägig beschieden worden war, erhält er aber doch im Januar 1832 die Genehmigung zur Buschwirtschaft vom Ministerium des Innern. Damals zählte Buch 47, Etzwihl 29 Familien. Auf Seiten des Bezirksamtes ist man der Ansicht, dass im Interesse der Fremden mindestens eine Gastwirtschaft in der Gemeinde nötig ist und schlägt vor, die Wirtschaft im grösseren Ort Buch als Speisewirtschaft einzurichten und die in Etzwihl als persönliche Restauration.

Das persönliche Gastwirtschaftsrecht war Johann Winkler durch Erlass am 10. 11. 1835 erteilt worden und am 9.Dezember teilt er dem Bezirksamt mit, dass er seiner Gastwirtschaft den Namen "WIRTSHAUS ZUM ENGEL" gibt. Das Haus wird für den neuen Zweck 1838 umgebaut.

1833-40 Die aus dem Mittelalter stammenden Zehntrechte konnten jetzt durch Freikauf abgelöst werden. Die Verwaltung bezifferte im Jahre 1833 die Zahl der Salpetererfamilien in allen Dörfern ("Ägidler" nach Ägidius Riedmatter) auf 200. Mit dabei waren die Familien aus Buch Andreas Vogelbacher, Lorenz Huber und Benedikt Ebner aus Etzwihl. Im Oktober 1841 erhält Johann Winkler nach verschiedenen Eingaben schliesslich das Realrecht übertragen. Im Oktober 1846 verkaufte Engelwirt Johann Winkler Realrecht und Wirtschaft an den von Oberalpfen stammenden, damals in Etzwihl ansässigen Josef Ebner. Er war als "AUSWÄRTIGER" von der heimischen Bevölkerung jedoch gemieden.

Dazu kamen wirtschaftliche Not im Lande, Missernten und Kartoffelseuchen. Von Hunger und Not gezwungen, wanderten viele Menschen nach Amerika und in andere Länder aus. Darunter auch viele Hauensteiner. (Im Waldshuter "Intelligenzblatt" der Jahre 1834-35 stand geschrieben, dass ein Fuhrmann aus Tegerfelden allein in diesen zwei Jahren 15 mal Leute aus unserer näheren Umgebung nach dem franz. Hafen "le Havre" fuhr.)


Gasthaus EngelAlle diese Ereignisse zusammengenommen veranlassten den Besitzer vom "WIRTSHAUS ZUM ENGEL", sein ganzes Anwesen im Jahre 1850 zu verkaufen. 1849/50 war das Ende der badischen Revolution. Meinrad Vogelbacher, geb.27.03.1814 verheiratet mit Notburga Binkert von Buch geb.02.06.1805 erwarb den "Engel" am 31.07. 1850. Seit dem ist das Gasthaus in Familienbesitz.

(Auch Josef Ebner, mit seinen 4 minderjährigen Kindern und der 1830 geborene Johann Vogelbacher, Bruder des Engelwirts Meinrad Vogelbacher, waren unter den Auswanderern.) Am 07. September 1872 teilt Johann Vogelbacher geb. am 12.01.1845, verheiratet mit Maria Anna Bär aus Oberalpfen, dem Gemeinderat Buch mit: "Laut angeschlossenem Grundbuchauszug habe ich am 3. Mai 1872 von meinen Eltern Wirt Meinrad Vogelbacher Eheleute, das Wirtshaus zum Engel mitsamt dem auf diesem Hause ruhenden Realwirtschaftsrecht zu Eigentum erworben". Engelwirt Johann Vogelbacher, der auch Bürgermeister der Gemeinde Buch war, starb am 09. Juli 1902.

An Stelle der Witwe Maria Anna führte der damals 29 jährige einzige Sohn Julius Vogelbacher, geb. 11. Juli 1873, verheiratet am 20.05.1902 mit Hermine Kaiser aus Görwihl, geb. am 6. August 1879,die Wirtschaft weiter. Das Ehepaar hatte 6 Kinder. 1904 wurde am östlichen Giebel der Gaststätte eine Kegelbahn gebaut und feierlich eingeweiht. 1913 baute er die grosse Scheune. Ehefrau Hermine starb im Jahre 1913 im Alter von 34 Jahren. Julius Vogelbacher heiratete in 2. Ehe am 12.02.1914, die aus Göschweiler stammende Johanna Spehl, geb. 09.12. 1882. Das Paar hatte noch 3 gemeinsame Kinder.

Gastwirt Julius Vogelbacher verstarb am 21. April 1945. Auch er war wie sein Vater Bürgermeister (1911-1945). Die Wirtschaft wurde zunächst durch die Erben weiterbetrieben und ging dann 1947 an Johann Vogelbacher, geb. 22. April 1907, verheiratet mit Rosa Indlekofer von Birkingen, geb. 13.03.1915. Das Ehepaar Johann und Rosa Vogelbacher führten die Land- und Gastwirtschaft bis 1972. Sie hatten 5 Kinder. Johann Vogelbacher verstarb am 14.07.1972, Rosa Vogelbacher am 25. Oktober 2004. Trotz politischer Wirren, trotz Elend, Not und Inflation- verursacht durch 3 Kriege, (1870/71, 1914-18, 1939-45) stand der "GASTHOF ENGEL" immer im Dienst seiner Gäste, die seine regionale Küche und seine Gastlichkeit stets zu schätzen wussten.

Julius Vogelbacher
Seit dem Jahr 1972 setzt Julius Vogelbacher und seine Ehefrau Maria geb. Haferkorn, die über 150 jährige Familientradition im "GASTHOF ENGEL" zum Wohl der Gäste erfolgreich fort. Durch grosszügiges Umgestalten des Hauses in den Jahren 1975 -1986 und eine gut geführte Küche entstand ein modernes, der landschaftlichen Tradition verpflichtendes Haus, in dem der gestresste und auch verwöhnte Zeitgenosse sich erholen und wohlfühlen kann.

Denn: Im Schutz des "ENGELS" ist man gut aufgehoben.

( Die Wirtshausnamen leitete man gerne von den 4 Evangelisten ab )
  • So stand der Evangelist Markus für den Löwen, ( Gasthaus zum Löwen )
  • Evangelist Lukas für den Stier ( Gasthaus zum Ochsen )
  • Evangelist Johannes für den Adler ( Gasthaus zum Adler )
  • und der Evangelist Matthäus für den Engel ( Gasthaus zum Engel )

Maria Vogelbacher, im März 2005